Baic BJ40 Erfahrungen im Alltag und Offroad: Wie schlägt er sich?

Martin

Member
26. Apr. 2024
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Hallo,

der Baic BJ40 (Pro) taucht aktuell immer häufiger auf und wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Geländewagen alter Schule: Leiterrahmen, zuschaltbarer Allrad und kantiges Design. Gleichzeitig bringt er viel Ausstattung mit und liegt preislich deutlich unter manchen bekannten Offroadern.

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Unter der Haube sitzt ein 2.0 Turbo-Benziner mit 234 PS und 390 Nm, kombiniert mit Automatik und verschiedenen Offroad-Modi. Laut Datenblatt liegt der Verbrauch bei etwa 12,6 Litern, was bei Gewicht und Bauart nicht überrascht, aber natürlich im Alltag ein wichtiger Punkt sein dürfte. Innen scheint der BJ40 hochwertiger zu wirken als viele vielleicht erwarten würden - mehrere Displays, Ledersitze, Panorama-Dach und moderne Assistenzsysteme sind dabei. Trotzdem bleibt er ein klassischer Offroader, was man wohl auch auf der Straße merkt, gerade bei Unebenheiten oder schnellen Richtungswechseln. Im Gelände soll er dagegen genau das liefern, was man sich von so einem Fahrzeug verspricht. Zuschaltbarer Allrad, Untersetzung und verschiedene Fahrmodi sprechen dafür, dass er nicht nur optisch auf Abenteuer macht.

Mich würde interessieren, ob hier jemand schon Erfahrungen gesammelt hat - egal ob Probefahrt oder schon im Alltag unterwegs. Wie sieht es mit realem Verbrauch aus? Wie gut funktioniert das Infotainment im Alltag? Gibt es schon Erfahrungen zu Service, Ersatzteilen oder allgemeinen Kinderkrankheiten? Und wie fährt er sich auf längeren Strecken oder im täglichen Einsatz?

Danke!
 

John BJ40

New member
15. Apr. 2026
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Moin Martin, ich fahre den BJ40 nun seit dem 19. Februar. Mein Verbrauch über alle gefahrenen Kilometer bei gesitteter, aber nicht schleichender Fahrweise liegt kommend von 11,5 zu Beginn inzwischen bei 10,3 Litern auf 100 km. Kürzere Strecken werden auch mal mit 11,1 Litern und Strecken über Land mit unter 10 (einmal sogar umit 8,6) Litern je 100 km quittiert. Ich habe heute einen Kurzbericht geliefert, mal schauen, wann der online geht.
 

John BJ40

New member
15. Apr. 2026
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Moin zusammen,

ich habe mir Mitte Februar einen BAIC BJ40 Pro gekauft. Laut Importeur Indimo steht die Ankunft einer Dieselvariante noch in den Sternen. Inzwischen gibt es nun den BJ40 D Pro. Ich muss gestehen, dass ich mittlerweile froh bin, den Benziner zu haben. Der Verbrauch ist bei mir deutlich niedriger als die angegebenen 12,6 Liter auf 100km. Ich habe hier mal einige Infos und Gedanken zusammengetragen, welche mich dazu gebracht haben, dieses immerhin recht unbekannte Fahrzeug zu kaufen:

Ich hatte die letzten Jahre T4 und T5 für meine betrieblichen Zwecke genutzt. Ersatzteilengpässe (T4) und endlose Kleinkriege mit dem T5 (Wassereinbruch, Türschlösser defekt, hakendes Turbogestänge, etc.) haben mich nun dazu bewegt, mich nach alternativen Fahrzeugen umzusehen. Gerne van- oder offroadähnlich, weil groß. Zunächst Mercedes Vito/V-Klasse, Ford Transit & Co angesehen. Recht teuer trotz hoher Laufleistung und dank hoher Neuwagenpreise auch eine hohe steuerliche Belastung wegen der 1%-Regelung. Gute alte gebrauchte Landcruiser und Ähnliche werden ab 30.000 EUR gehandelt oder machen vermutlich ebenfalls Ärger. Im November letzten Jahres stieß ich auf ein YT-Video von Autonotizen über den BAW212 und war recht angetan über die Ausstattung und den Preis. Er ist leider als Firmenwagen doch zu sehr Nutzfahrzeug und zu rustikal😉Dann fand ich bei Autonotizen das Video über den BJ40, vom BJ30 und vom BJ60. Der BJ60 schien mir zu groß (ich fahre viel in Hamburg umher), der BJ30 war mir zu sehr zwischen den Welten, auch wenn ich ihn leiden mochte, aber der BJ40 schien gut zu passen – sowohl von der Größe als auch vom Budget. Zunächst wusste ich nicht, was ich von den ganzen Bildschirmen halten sollte (der T5 war BJ2005), aber nachdem ich mich intensiver damit beschäftigt habe, war das ok für mich. Lässt sich ja alles abschalten und die wesentlichen Dinge werden mit physischen Tasten bedient😉

Nachdem ich mich dann wochenlang durch chinesische, russische, philippinische, malaysische, australische, südafrikanische, argentinische, quatarische, kuwaitische, arabische und puerto-ricanische Videos und Reviews gekämpft habe (in Südamerika heißt der BJ40 Pro übrigens BJ41 und in anderen Ländern teilweise nur B40), gefiel mir das Fahrzeug immer besser.

Hier mal ein paar Stichpunkte und weitergehende Infos, die mich beim BJ40 Pro, neben dem Preis, überzeugt haben, zu wagen, ein chinesisches Auto zu kaufen:

  • BAIC stellt seit 2005 bis auf wenige Ausnahmen Mercedesmodelle und seit 2013 auch Mercedes-Motoren her. Sie wissen sicherlich, wie man Autos baut.
  • Als Hauptaktionär bei Daimler zeigt BAIC Interesse am internationalen Geschehen und ist bestens über den Zustand des europäischen Marktes informiert.
  • BAIC hat die ehemaligen Santana-Werke in Spanien gekauft. Hier sollen ab Herbst BJ30 und BJ40 in SKD gefertigt und unter Santana-Brand vermarktet werden. Wie das am Ende mit den Importeuren und den Händlern zusammenpasst, werden wir ja sehen.
  • Speziell der BJ40 sollte die über Jahrzehnte aufgebauten Erfahrungen im Offroad- (212) und im Militärbereich bündeln, nachdem BAW mit den 212 an einen privaten Investor ging.
  • Die extrem robuste und verwindungssteife Karosserie mit integriertem Überrollbügel, erkennbar an den rahmenlosen Türfenstern und in diversen Tests demonstriert, suggeriert ein sicheres Fahrzeug. Darüber gibt es aufschlussreiche Videos, wo der Wagen von einer 104 Meter hohe Düne oder einer 18m hohen Klippe geworfen wird und danach zwar übel aussieht, jedoch keine ausgelaufenen Flüssigkeiten erkennen lässt, eine intakte Fahrgastzelle aufweist und noch aus eigener Kraft davon fährt.
  • Viele relevante Fahrzeug- und Antriebsteile stammen von namhaften, oft europäischen und deutschen Herstellern: Webasto-Panorama-Schiebedach (das nutzen wohl alle chinesischen Fahrzeuge), ZF-8-Gang-Automatikgetriebe, BorgWarner-Verteilergetriebe. Die auffallende Ähnlichkeit vieler kleiner Komponenten im Innenraum erinnern stark an Mercedes (auch bei BAW 212).
  • Der Motor stammt weder von Mitsubishi, wie immer gerne zitiert wird, auch nicht von SAAB (Die Reste von SAAB wurden von BAIC vor Jahren gekauft), sondern von der 100%igen Tochter Hycet von Great Wall Motors (GWM). GWM investiert Millionen in die Entwicklung von Otto-, Dieselmotoren, Hybridtechnik und sogar ein eigense 9-Gang-AT für 750 Nm ganz im Gegensatz zu z.B. Volkswagen, die alte Golfmotoren in T6-Multivans mit allen negativen thermischen Konsequenzen bauen. Der HY4C20C 2.0T ist speziell für schwere Fahrzeuge und den Offroadbetrieb ausgelegt und liefert relativ früh ein hohes Drehmoment, ähnlich dem Dieselmotor aus dem BAW 212 aus dem Joint-Venture mit Cummins (395 Nm bei 1600 U/min versus 400 Nm bei 1500 U/min). Der Motor verfügt dafür über eine variable Ventilhubsteuerung. GWM hat ein Joint-Venture mit BMW…
  • Das groß dimensionierte Kühlsystem des Motors mit integriertem Auslasskrümmer und elektrischer Wasserpumpe wurde gebaut, um auch im Nahen Osten oder im Outback bei hohen Temperaturen zu funktionieren. Die Motoren bzw. die GWM Tank 300 genießen weltweit und besonders in Australien inzwischen einen sehr guten Ruf in Bezug auf Preis und Zuverlässigkeit.
Allgemein scheinen wir es hier mit einer gänzlich anderen Philosophie zu tun zu haben: Es gibt Fahrzeuge, mit denen chinesische Unternehmen ganz bewusst auf den Weltmarkt losgehen. Wenn diese dann nichts taugen würden, endet die schöne Marktstrategie im Kollaps. Die Strategie lautet demnach eher: Sich mit robusten, gut ausgestatteten und preiswerten Fahrzeugen einen weltweiten guten Ruf zu erarbeiten.

Warum ich das hier so episch ausbreite? Na ja, in einer Zeit (gefühlt die letzten 20 Jahre zunehmend), in der Ölwannen aus Plastik, Steuerketten in Fahrradkettenformat, Stirnräder aus zerbröselnden Legierungen, Zahnriemen im (spritverdünnten) Ölbad laufen, 0W-12-Öle verwendet werden und Motoren thermische Grenzwerte zugemutet werden, die nicht einmal die Motorenbauer aus der Formel 1 ihren Motoren zumuten, kann man sich ja mal nach Alternativen umsehen… In Zeiten, wo der Experte eher im unteren Segment eines Unternehmens angesiedelt ist, wo Controlling und Ideologie die Unternehmensausrichtung vorgeben und wo Neuerungen oder Innovationen Jahre benötigen, um beim CEO zu landen, darf es niemanden verwundern, wenn es Unternehmen gibt, die andere Prioritäten oder gar Tugenden verfolgen, schneller und flexibler in der Ausrichtung sind und damit anscheinend Erfolg haben. Viele Kommentare in Foren und YT spiegeln ein derart hohes Maß an Unwissenheit, Vorurteilen und pauschaler „Nein-Sagerei“ wider, dass es mitunter schwer ist, sachliche Informationen zu bekommen.

Nun zum Fahrzeug: Der Wagen ist deutlich agiler, als man vermutet. Man kann ihn herrlich entspannt fahren. Das Fahrwerk ist fest, aber nachgiebig. Bei abrupten Wechselmanövern spürt man deutlich das Wagengewicht und den etwas höheren Schwerpunkt. Er soll ja einen Anti-Roll-Assistenten haben, welcher bei einer sich abzeichnenden Gefahr eines Überschlags eingreift. Das habe ich noch nicht getestet 😊Er hat nun einmal kein Luftfahrwerk und keine 20 Zoll-Räder, so dass man ruppige Unebenheiten wahrnimmt. Ich komme nun vom T5 mit Sportfahrwerk ab Werk und bin daher sicherlich nicht verwöhnt, aber der BAIC ist deutlich komfortabler unterwegs. In den technischen Daten bei Indimo wird die Höchstgeschwindigkeit mit 170 km/h angegeben. In den Papieren steht nun 180 km/h und ich war bereits kurz bei 196 km/h. Da geht noch ein wenig. Allerdings fährt er sich bis rund 140 km/h komfortabel. Bei höheren Geschwindigkeiten muss man sich schon ein wenig konzentrieren.

Leider habe ich hier kein Gelände in der Nähe, so dass ich hier nichts sagen kann. Grobe Wald- und Feldwege sind Dank der Bodenfreiheit auch in 2H kein Problem. Sollte sich hier etwas ergeben, reiche ich das nach. Schnee liegt nun auch nicht mehr…

Alles in allem macht er sich sehr gut im Alltag. Es macht Spaß ihn zu fahren. Mein Verbrauch liegt nach knapp 4.000 Kilometern inkl. Einfahren, Autobahn, Stadt und Land bei 10,3 Liter je 100km. Kurze Fahrten brauchen sichtbar mehr (rund um 11 Liter auf 100 km). Erst, wenn die Getriebeöle (immerhin 4 Stück) und der Motor ihre Temperatur erreicht haben, sinkt der Verbrauch sichtbar.

Ich hoffe, diese Ausführungen und Infos helfen dem einen oder anderen ein wenig oder verleiten zu weiteren Recherchen. Damals waren es die Japaner, dann kam Korea und nun kommen die chinesischen Autos mit dem Unterschied, dass China von einem deutlich höheren Sprungbrett gestartet ist (Joint-Ventures, Fertigung diverser westlicher Fahrzeuge und Zulieferteile steht bereits).

Wenn mir noch Dinge einfallen, melde ich mich zurück. Ansonsten fragt mich gerne.

VG
John
 
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